KULTUR

El öpme: die türkische Sitte des Handkusses

El öpme heißt: Du nimmst die Hand eines Älteren, küsst den Handrücken und führst die Hand kurz an deine Stirn. Es ist die deutlichste Geste von Respekt in der türkischen Kultur, und beim ersten Treffen mit der Familie deines Partners macht sie mehr Eindruck als jeder Satz.

LLokum-Team·7 Min. Lesezeit

Was el öpme genau bedeutet und wie es geht

El öpme (wörtlich "die Hand küssen") ist die klassische türkische Respektgeste gegenüber Älteren. Der Ablauf ist klein, aber präzise: Du nimmst die rechte Hand der älteren Person, beugst dich leicht, küsst den Handrücken und führst die Hand danach kurz an deine eigene Stirn. Dieses Anheben an die Stirn ist der Teil, den viele in der Diaspora weglassen, und genau der Teil, der zählt. Er sagt: Ich stelle dich über mich.

Die ältere Person antwortet meist, indem sie deinen Kopf streichelt, dich auf die Wange küsst oder etwas Liebevolles sagt. Bei religiösen Familien hörst du oft einen kurzen Segen. Es ist kein steifes Ritual, sondern ein Moment zwischen zwei Menschen, der nur ein paar Sekunden dauert.

Wichtig: El öpme ist eine Sache zwischen Jung und Alt. Du küsst die Hand eines Älteren, nicht umgekehrt. Unter Gleichaltrigen umarmt man sich oder gibt sich Wangenküsse, aber gekusst wird die Hand nur nach oben, in Richtung der älteren Generation.

Wem du die Hand küsst und wem nicht

Die klare Reihenfolge: zuerst die Großeltern, dann Eltern, dann ältere Onkel und Tanten (amca, dayı, teyze, hala). Bei größeren Familienfeiern gehst du der Reihe nach durch den Raum, von der ältesten Person abwärts. Wer wem die Hand küsst, hängt allein vom Alter und vom Rang in der Familie ab, nicht vom Geschlecht.

Außerhalb der Familie küssen viele auch ihren Lehrern die Hand, besonders zum Lehrertag am 24. November in der Türkei. Manche tun es auch bei einem sehr respektierten Nachbarn, einem alten Imam oder einem Familienältesten, der wie ein Großvater behandelt wird.

  • Ja: Großeltern, Eltern, ältere Verwandte, oft Lehrer, manchmal sehr alte und respektierte Bekannte.
  • Nein: Gleichaltrige, jüngere Personen, Fremde im Alltag, Kollegen ohne familiäre Nähe.

Eine Faustregel aus der Praxis: Ist die Person mindestens eine Generation älter und steht sie dir nahe genug, dass du sie grüßen würdest, dann gehört el öpme dazu. Im Zweifel folgst du einfach dem, was dein Partner oder ein Cousin vormacht.

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Wann der Handkuss dazugehört

Es gibt feste Anlässe, bei denen el öpme erwartet wird. Der größte ist Bayram, also das Zuckerfest (Ramazan Bayramı) und das Opferfest (Kurban Bayramı). Am Morgen des ersten Festtags gehen Kinder und Enkel zu den Älteren, küssen die Hand und bekommen traditionell Geld oder Süßigkeiten dafür, das berühmte Bayram-Taschengeld.

Daneben gehört der Handkuss zu jedem Besuch bei Großeltern oder älteren Verwandten, zur Begrüßung und oft auch zum Abschied. Bei Hochzeiten küsst das Brautpaar den Eltern und Schwiegereltern die Hand, ein fester Teil vieler türkischer Hochzeitsbräuche. Auch zum Schulanfang, vor einer langen Reise oder vor einer Prüfung suchen viele den Segen der Älteren über diese Geste.

Und dann gibt es den Moment, um den es bei einer Beziehung wirklich geht: das erste Treffen mit der Familie deines Partners.

Regionale und Generationen-Unterschiede

El öpme ist nicht überall gleich streng. In Anatolien, in kleineren Städten und in konservativeren Familien ist es selbstverständlich und wird bei jedem Anlass erwartet. In Istanbul oder İzmir, in säkular geprägten und akademischen Familien, ist es lockerer; manchmal reicht eine Umarmung, und der Handkuss bleibt den Großeltern vorbehalten.

Auch zwischen den Generationen verschiebt sich etwas. Wer in Deutschland, den Niederlanden oder Frankreich aufgewachsen ist, kennt el öpme oft nur von Bayram und fühlt sich im Alltag unsicher dabei. Das ist völlig normal. Die ältere Generation weiß das und nimmt es niemandem übel, wenn die Geste etwas zögerlich ausfällt. Was zählt, ist, dass du es überhaupt tust.

Ein häufiges Missverständnis: Manche jungen Leute denken, el öpme sei rein religiös. Es hat religiöse Bedeutung in frommen Familien, ist aber vor allem eine kulturelle Respektgeste, die genauso bei säkularen türkischen Familien gepflegt wird. Mehr zu diesem Spannungsfeld findest du in unserem Überblick zur türkischen Dating-Kultur und Etikette.

El öpme richtig machen, wenn du die Familie kennenlernst

Hier entscheidet sich oft der erste Eindruck. Wenn du die Eltern deines Partners zum ersten Mal triffst, ist der Handkuss das stärkste nonverbale Signal, das du senden kannst: Ich respektiere euch und ich meine es ernst. Eine türkische Mutter, die zusieht, wie du ihrem Vater die Hand küsst und an die Stirn führst, hat dich in den ersten zehn Sekunden eingeordnet, positiv.

So machst du es sicher: Begrüße zuerst die ältesten Anwesenden. Reiche nicht zuerst die Hand zum Schütteln, sondern nimm die Hand sanft, küsse den Handrücken, führe sie an deine Stirn. Sag dabei etwas Einfaches wie "Hoş bulduk" (die Antwort auf das Willkommen "Hoş geldiniz"). Bei jüngeren Eltern, die abwehren und sagen "nicht nötig", reicht der angedeutete Versuch völlig; die Geste allein wird registriert.

Frag deinen Partner vorher kurz, wie streng die Familie das hält. So gehst du keinem in eine peinliche Lücke. Diese Vorbereitung gehört zum größeren Thema die türkischen Schwiegereltern kennenlernen, vom passenden Mitbringsel bis zum richtigen Sitzplatz am Tisch.

Die kaynana, die Männer und kleine Stolperfallen

Besonders auf die kaynana, die Schwiegermutter, solltest du achten. Sie hat in vielen türkischen Familien eine Schlüsselrolle, und ihr Urteil über dich wiegt schwer. Ein aufrichtiger Handkuss bei der ersten Begegnung öffnet hier mehr Türen als jedes Geschenk. Wie du diese Beziehung von Anfang an gut gestaltest, beschreiben wir ausführlich im Beitrag über die kaynana.

Ein paar Punkte, an denen Leute hängenbleiben:

  • Vergiss den Schritt zur Stirn nicht. Nur den Handrücken küssen wirkt halbherzig; das Anheben an die Stirn macht die Geste vollständig.
  • Geh nach Alter, nicht nach Geschlecht. Du küsst sowohl dem Schwiegervater als auch der Schwiegermutter die Hand, wenn sie älter sind.
  • Übertreib nicht. Es ist eine ruhige, kurze Geste, kein theatralischer Akt.
  • Wenn dich jemand ehrlich abwehrt, dräng dich nicht auf. Der Versuch genügt.

Warum diese Geste in der Diaspora besonders zählt

Für Türkinnen und Türken außerhalb der Türkei ist el öpme mehr als Höflichkeit. Es ist ein Stück Heimat, das man in Köln, Rotterdam oder Lyon weiterträgt. Wenn ein Kind beim Bayram in Berlin der Oma die Hand küsst, hält es eine Verbindung, die über Grenzen reicht, am Leben.

Genau diese gemeinsame Wurzel verbindet auch Menschen, die sich neu kennenlernen. Wer beide Seiten dieser Kultur versteht, den anatolischen Respekt und das Leben in zwei Welten, hat es beim Daten leichter. Auf Lokum kannst du deine memleket aus allen 81 Provinzen wählen und Leute mit denselben hemşehri-Wurzeln finden, Menschen, für die el öpme keine Erklärung braucht.

Am Ende ist die Geste eine kleine Schule fürs Leben: Sie übt dich darin, im richtigen Moment einen Schritt auf den anderen zuzugehen. Das hilft bei der Schwiegermutter genauso wie in der Beziehung selbst.

FAZIT

Lern den vollständigen Ablauf, bevor du die Familie deines Partners triffst: Hand nehmen, Handrücken küssen, an die Stirn führen, und den Schritt zur Stirn auf keinen Fall vergessen. Geh nach Alter vor, beginne bei der ältesten Person im Raum, frag deinen Partner vorab nach der Strenge der Familie, und dräng dich nicht auf, wenn jemand abwehrt. Diese eine kurze Geste sagt mehr über deinen Respekt als ein langes Gespräch, besonders bei der kaynana.

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Häufige Fragen

Was bedeutet el öpme auf Deutsch?

El öpme heißt wörtlich "die Hand küssen". Gemeint ist die türkische Respektgeste, bei der du die Hand einer älteren Person küsst und sie anschließend kurz an deine eigene Stirn führst. Es ist das deutlichste Zeichen von Respekt gegenüber Älteren in der türkischen Kultur.

Wem küsst man bei el öpme die Hand?

Du küsst Personen die Hand, die mindestens eine Generation älter sind und dir nahestehen: zuerst Großeltern, dann Eltern, dann ältere Onkel und Tanten. Oft auch Lehrern und sehr respektierten alten Bekannten. Gleichaltrigen oder Jüngeren küsst man die Hand nicht; die Geste geht immer nach oben, zur älteren Generation.

Wann macht man el öpme?

Vor allem zu Bayram (Zucker- und Opferfest), bei Besuchen von Großeltern und älteren Verwandten, zur Begrüßung und zum Abschied, bei Hochzeiten gegenüber den Eltern, am Lehrertag und vor wichtigen Ereignissen wie einer Reise oder Prüfung. Auch beim ersten Treffen mit der Familie des Partners gehört es dazu.

Sollte ich beim Kennenlernen der türkischen Schwiegereltern die Hand küssen?

Ja, wenn die Eltern älter sind, ist el öpme dort ein sehr starker erster Eindruck und signalisiert Respekt und ernste Absichten. Frag deinen Partner vorher, wie streng die Familie das hält. Wehrt jemand ehrlich ab, reicht der angedeutete Versuch; die Geste allein wird positiv registriert.

Ist el öpme religiös oder kulturell?

Beides, je nach Familie. In frommen Familien hat die Geste eine religiöse Note und ist oft mit einem Segen verbunden. Grundsätzlich ist el öpme aber eine kulturelle Respektgeste, die genauso in säkularen türkischen Familien gepflegt wird. Sie drückt vor allem Achtung vor dem Alter aus, nicht zwingend Glauben.

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