DIASPORA

Türken in Deutschland: Zahlen, Geschichte und Identität

In Deutschland leben rund 1,5 Millionen Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit und rund 2,6 Millionen mit türkischer Einwanderungsgeschichte. Hier siehst du, was die Zahlen messen und wie es dazu kam.

LLokum-Team·7 Min. Lesezeit
Türken in Deutschland: Zahlen, Geschichte und Identität

Wie viele Türken leben in Deutschland?

Die Antwort hängt davon ab, wen du zählst, und deshalb findest du so verschiedene Zahlen. Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht zwei Zählungen, die oft durcheinandergeraten: die nach Staatsangehörigkeit und die nach Einwanderungsgeschichte.

  • Nach Staatsangehörigkeit: Am 31.12.2025 waren laut Ausländerzentralregister 1.520.400 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit in Deutschland registriert. Das ist die größte Gruppe unter den Ausländerinnen und Ausländern, also unter den Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.
  • Nach Einwanderungsgeschichte: Im Mikrozensus 2025 (Erstergebnisse) zählt Destatis rund 2,65 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte. Davon sind etwa 1,47 Millionen selbst eingewandert und etwa 1,18 Millionen als Nachkommen in Deutschland geboren.

Wer also fragt, wie viele Türken in Deutschland leben, bekommt je nach Definition etwa 1,5 oder etwa 2,6 Millionen als Antwort. Beide Zahlen stimmen, sie messen nur etwas anderes.

Quellen: Destatis, Ausländische Bevölkerung nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten (Ausländerzentralregister, Stand 31.12.2025); Destatis, Mikrozensus 2025, Erstergebnisse nach Einwanderungsgeschichte (Stand 13.04.2026). Im Oktober 2026 geprüft.

Staatsangehörigkeit oder Einwanderungsgeschichte: was die Zahlen messen

Die Zahl der türkischen Staatsangehörigen erfasst nur Menschen, die einen türkischen und keinen deutschen Pass haben. Wer eingebürgert wurde oder mit deutschem Pass geboren ist, taucht dort nicht auf, selbst mit zusätzlichem türkischem Pass und obwohl die Familie vielleicht aus Kayseri, Trabzon oder Mersin stammt.

Der Begriff Einwanderungsgeschichte ist weiter gefasst. Destatis meint damit Personen, die selbst oder deren beide Eltern seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Er erfasst also auch Menschen mit deutschem Pass, aber nicht alle, die sich als deutsch-türkisch verstehen. Wer zum Beispiel nur einen Elternteil mit Einwanderungsgeschichte hat, wird in dieser Zählung nicht als Person mit Einwanderungsgeschichte geführt.

ZählweiseWas sie erfasstZahl (Stand)
Türkische StaatsangehörigkeitAusländerinnen und Ausländer mit türkischer Staatsangehörigkeit (Ausländerzentralregister)1.520.400 (31.12.2025)
Türkische EinwanderungsgeschichteSelbst oder beide Eltern eingewandert, Geburtsstaat Türkei, auch mit deutschem Passrund 2,65 Mio. (Mikrozensus 2025)
davon selbst eingewandertErste Generationrund 1,47 Mio.
davon als Nachkommen geborenZweite Generation, Eltern beide eingewandertrund 1,18 Mio.

Die Mikrozensus-Zahlen beziehen sich auf Personen in Privathaushalten am Hauptwohnsitz und sind vorläufige Erstergebnisse. Eine amtliche Zahl dafür, wie viele Menschen sich selbst als deutsch-türkisch bezeichnen, gibt es nicht, denn Identität lässt sich nicht zählen.

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Wie alles begann: das Anwerbeabkommen von 1961

Am 30. Oktober 1961 schloss die Bundesrepublik ein Anwerbeabkommen mit der Türkei. Es regelte, wie Arbeitskräfte aus der Türkei nach Deutschland kommen konnten. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) kamen bis zum Anwerbestopp rund 870.000 Arbeitskräfte aus der Türkei, etwa 500.000 von ihnen kehrten in diesem Zeitraum zurück.

Die meisten Angeworbenen waren jung und männlich und arbeiteten vor allem in den ersten Jahren oft körperlich schwer in der Industrie. Viele kamen zunächst ohne Familie. Gedacht war der Aufenthalt als Arbeit auf Zeit. Die Verträge sahen vor, dass Beschäftigte nach Ablauf ihrer Zeit zurückkehren und andere nachrücken. Viele Betriebe wollten aber eingearbeitete Kräfte behalten, und so blieben viele länger als geplant.

Im November 1973 verfügte die Bundesregierung angesichts der Ölkrise und der wirtschaftlichen Lage einen Anwerbestopp. Danach kamen vor allem Familienangehörige, überwiegend Frauen und Kinder. Nach Angaben der bpb zogen zwischen 1974 und 1980 mehrere Hunderttausend Angehörige nach, und 1980 lebten 1,4 Millionen Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Aus dem Arbeitsaufenthalt wurde für viele ein Leben.

Wie das Wort Almancı aus dieser Geschichte entstand und welchen Ton es hat, erklärt der Beitrag zur Bedeutung von Almancı.

Quellen: bpb, 1961: Anwerbeabkommen mit der Türkei; bpb, Vor 60 Jahren: Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei. Im Oktober 2026 geprüft.

Von Gastarbeitern zu Deutschtürken: vier Generationen

Man spricht oft von Generationen, auch wenn die Grenzen fließend sind. Die erste Generation kam selbst und hat häufig lange mit dem Gedanken an Rückkehr gelebt. Die zweite wuchs zwischen Elternhaus und Schule auf und musste oft Vermittlerin oder Vermittler sein, beim Amt, beim Arzt, beim Elternabend. Die dritte ist hier geboren, spricht oft Deutsch als stärkste Sprache und hört Türkisch vor allem zu Hause. Die vierte wächst heute heran, und für sie ist die Türkei oft das Land der Sommerferien und der Verwandten.

Das ist ein grobes Raster, keine Regel. Manche Familien leben seit den Sechzigerjahren hier, andere sind erst vor wenigen Jahren gekommen, und oft trifft beides in derselben Verwandtschaft zusammen. Entscheidend ist, dass jede Generation ein anderes Verhältnis zu beiden Ländern hat. Wie sich das anfühlt, wenn du dich an keinem Ort ganz zu Hause fühlst, steht im Beitrag über deutsch-türkische Identität zwischen zwei Kulturen.

Auch die Begriffe wechseln. Deutschtürken, Türkeistämmige, türkische Deutsche, Almancı: Manche Menschen nutzen eines davon gern, andere lehnen es ab. Frag im Zweifel, wie jemand sich selbst nennt, statt es zu entscheiden.

Einbürgerung und doppelte Staatsangehörigkeit

Seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG) können Menschen bei der Einbürgerung ihre bisherige Staatsangehörigkeit grundsätzlich behalten. Destatis bringt den starken Anstieg der Einbürgerungen mit türkischer Staatsangehörigkeit mit dieser Neuregelung in Verbindung.

Die Zahlen aus dem Jahr 2025: Insgesamt wurden 332.500 Ausländerinnen und Ausländer eingebürgert. Davon hatten 34.100 (10 Prozent) die türkische Staatsangehörigkeit, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein Grund, warum die Zahl der türkischen Staatsangehörigen und die Zahl der Menschen mit Einwanderungsgeschichte so weit auseinanderliegen: Mehr Menschen tragen einen deutschen Pass, bleiben aber familiär und kulturell mit der Türkei verbunden.

Ob und wie du dich einbürgern lassen kannst, hängt von deiner persönlichen Lage ab. Verbindliche Auskunft gibt die zuständige Einbürgerungsbehörde deiner Stadt oder deines Kreises, hier ist nur der Überblick.

Quelle: Destatis, Pressemitteilung 332 500 Einbürgerungen im Jahr 2025 (Juni 2026). Im Oktober 2026 geprüft.

Wo das Leben stattfindet: Städte, Vereine, Alltag

Türkeistämmige Menschen leben in ganz Deutschland, aber nicht gleichmäßig: in manchen Städten und Stadtteilen sind es viele, anderswo nur wenige. Wo viele Familien leben, gibt es meist auch Moscheevereine, Kulturvereine, Bäckereien, Hochzeitssäle und Läden, in denen man sein Lieblingsgebäck findet.

Das macht Alltag in der Diaspora aus: ein Netz aus Familie, Nachbarn und Gemeinde, das Halt gibt und manchmal auch eng wird. Wer in einer kleinen Stadt lebt, kennt oft jeden aus der Community, und gerade beim Kennenlernen ist das nicht immer von Vorteil. Wie sich das auf Beziehungen auswirkt, beschreibt der Beitrag über Identität und Liebe im Gurbet.

Was das für Liebe und Partnersuche bedeutet

Wer zwischen zwei Ländern aufwächst, sucht oft jemanden, der beide Seiten versteht, ohne dass man ständig erklären muss. Die Familie, die Sprache, der Besuch bei den Verwandten im Sommer und die Erwartung, dass man irgendwann jemanden vorstellt: All das ist Teil des Alltags. Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen mit türkischen Wurzeln Partner, die ihren Lebensstil teilen, ob in Berlin, Köln oder Stuttgart.

Auf Lokum stehen die Absicht und das Memleket, also die Herkunftsprovinz der Familie, direkt im Profil. Geschrieben wird erst, wenn ihr euch beide geliket habt, und wer einen kurzen Live-Selfie-Check gemacht hat, trägt ein Abzeichen. Mehr zur Idee findest du auf der Seite zur türkischen Partnersuche.

FAZIT

Es gibt keine einzelne Zahl für Türken in Deutschland: Etwa 1,52 Millionen haben die türkische und keine deutsche Staatsangehörigkeit (Stand 31.12.2025), etwa 2,65 Millionen haben eine türkische Einwanderungsgeschichte. Hinter beiden Zahlen steht die Geschichte, die 1961 mit dem Anwerbeabkommen begann und heute vier Generationen umfasst. Wenn du jemanden kennenlernst, sagt dir eine Statistik wenig. Frag lieber nach der Familie und danach, wie die Person sich selbst versteht.

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Häufige Fragen

Wie viele Türken leben in Deutschland?

Nach Destatis waren am 31.12.2025 rund 1,52 Millionen Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit registriert. Zählt man alle mit türkischer Einwanderungsgeschichte, auch mit deutschem Pass, sind es laut Mikrozensus 2025 rund 2,65 Millionen.

Was ist der Unterschied zwischen türkischer Staatsangehörigkeit und Einwanderungsgeschichte?

Die Staatsangehörigkeit zählt nur Menschen, die einen türkischen, aber keinen deutschen Pass haben. Einwanderungsgeschichte bedeutet nach Destatis: selbst oder beide Eltern seit 1950 eingewandert, unabhängig vom Pass.

Wann wurde das Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen?

Am 30. Oktober 1961. Im November 1973 verfügte die Bundesregierung einen Anwerbestopp. Danach kamen vor allem Familienangehörige nach.

Wie viele Menschen kamen als Arbeitskräfte aus der Türkei?

Laut bpb rund 870.000 bis 1973, von denen etwa 500.000 in dieser Zeit zurückkehrten.

Was bedeutet Deutschtürke?

Ein Sammelbegriff für Menschen mit türkischen Wurzeln, die in Deutschland leben oder aufgewachsen sind. Nicht alle nutzen ihn gern. Frag, wie jemand sich selbst bezeichnet.

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